„Suffragette - Taten statt Worte“ - Vorstellung im Central-Kino

18. Februar 2016

„Suffragette - Taten statt Worte“ läuft derzeit im Programmkino Central. Der Film erzählt die Geschichte der 1903 gegründeten „Women’s Social and Political Union“, einer bürgerliche Frauenbewegung, die sowohl durch passiven Widerstand, als auch durch öffentliche Proteste für das Frauenwahlrecht und die allgemeine Gleichstellung von Frauen kämpfte. Diese Frauen waren großen staatlichen Repressionen ausgesetzt und wurden teilweise in den Untergrund gezwungen (http://www.central-programmkino.de/programm/2016/2/).

Jusos und AsF Würzburg-Stadt wollen sich den Film über diese mutigen Frauen zusammen ansehen. Interessierte sind herzlich eingeladen. Wir treffen uns um 18.15 Uhr vor dem Eingang des Programmkinos.

Suffragetten (von engl. Suffrage=Wahlrecht), so nannten sich die Aktivistinnen selbst, die seit etwa 1864 in Großbritannien für Frauenwahlrecht und Frauenrechte kämpften.

Suffragette wurde aber auch bald zum Schimpfwort, zur abschätzigen Einordnung für Frauen, die unbeirrt und zielstrebig für ihre Rechte eintraten. Solche Frauen sollten ausgegrenzt und lächerlich gemacht werden. Heute erleben wir solche Strategien, wenn es um Feminismus geht.

Durch Lobbyarbeit, Petitionen und die Erarbeitung von Gesetzesentwürfen versuchten die Suffragetten ihre Ziele zu durchzusetzen. Das männliche Establishment betrachtete ihre Bemühungen zunächst mit Amüsement – oder ignorierte sie.

Anfangs appellierten die britischen Frauen an die Vernunft der Männer und versuchten es mit Überzeugungsarbeit – vergeblich. Bei den „Argumenten“ gegen das Frauenstimmrecht waren sich Männer offensichtlich weltweit einig: mangelnder Verstand, Emotionalität und zu wenig Realitätsbezug.

Die Labour Party in England stand dem Frauenwahlrecht zwar wohlwollend gegenüber, betrieb aber nicht aktiv die Umsetzung.

Da sich die Männer nicht durch Argumente überzeugen ließen und die Frauen ansonsten keine Möglichkeit hatten, auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen, änderten die Aktivistinnen ihre Strategie: Taten statt Worte war seit 1912 die Losung des radikalen Flügels der Suffragettenbewegung.

Die 1903 gegründete Women's Social and Political Union bittet nicht mehr, sie fordert. Emmeline Pankhurst (1858-1928), die Frontfrau der Radikalen entwickelt mit ihren Mitstreiterinnen neuen Formen des Protestes. Ab 1912 wird Gewalt gegen Sachen zum Mittel der Wahl. Für ihre Überzeugung gehen die militanten Frauenrechtlerinnen ins Gefängnis, treten in den Hungerstreik, riskieren ihr Leben.

Pankhurst und ihren Mitstreiterinnen gelingt es, immer mehr Frauen zu mobilisieren. Auch Arbeiterinnen schließen sich der ursprünglich bürgerlichen Bewegung in großem Umfang an. Frauen waren offensichtlich durch die Suffragetten deutlich eher politisiert worden als ihre Ehemänner, Brüder, Väter. Denn auch die meisten Arbeiter durften nicht wählen. Wahlrecht setzte Besitz voraus.

Die Vertreter Obrigkeit waren nun nicht länger amüsiert, die Behörden gingen mit äußerster Härte gegen die Suffragetten vor.

Der 1. Weltkrieg beendet die Aktionen. Emmeline Pankhurst gibt die Parole aus, dass der Kampf gegen den äußeren Feind Vorrang hat. Auch in Großbritannien mussten Frauen zunehmend in Produktion und Verwaltung Männer ersetzen. Frauen als schwach und schutzbedürftig zu schonen, konnte man(n) sich nicht mehr leisten, auch wenn es um bürgerliche Frauen ging.

1918 erhielt zumindest ein Teil der bürgerlichen Frauen das Wahlrecht: sie mussten mindesten 30 Jahre alt sein (Altersweisheit?) und über Besitz verfügen. Erst 1928 galt das allgemeine Frauenwahlrecht in Großbritannien.

Im Deutschen Reich verlief der Kampf ums Frauenwahlrecht ganz anders. Schon in der Revolution von 1848 hatten sich Frauen politisch geäußert und frauenpolitische Forderungen formuliert. Daher wurden nach der Niederschlagung der Revolution 1850 politische Frauenvereine verboten, erst ab 1908 durften sich Frauen wieder offiziell und legal politisch engagieren.

Anfang der 1860-er Jahre wurden in Deutschland zahlreiche Frauenvereine gegründet, die sich um ganz unterschiedliche Themen und Probleme kümmerten. Für die bürgerlichen Frauen war das Frauenwahlrecht kein zentrales Thema, sicher auch weil es eindeutig in die Kategorie „politisch“ fiel. Sie kämpften für bessere Bildungs- und Berufschancen und für eine Reform des Ehe- und Familienrechts.

Im Gegensatz dazu stand das Frauenwahlrecht im Mittelpunkt des politischen Kampfes bei den Sozialdemokratinnen. Für sie war das Frauenwahlrecht ein entscheidender Schritt zur Überwindung des Klassenstaates. Die Partei sah das in Teilen genauso. 1891nahm die SPD das Frauenwahlrecht als Forderung in ihr Programm auf.

Eine Zusammenarbeit zwischen bürgerlichen und proletarischen Frauenverbänden war in Deutschland undenkbar. Hier hatten sich die organisierten Arbeiterinnen wie auch die bürgerlichen Frauen entschieden, getrennt für unterschiedliche Ziele zu kämpfen. Clara Zetkin forderte zur „reinlichen Scheidung“ zwischen Proletarierinnen und Bourgeoisie auf, der 1894 gegründete Dachverband der bürgerlichen Frauenvereine (BDF) schloss proletarische Frauenvereine aus.

Die Bürgerlichen Frauen blieben bei ihren Bemühungen um Frauenrechte meist unbehelligt. Aktive SPS Frauen hingegen, die sich offensiv für Frauenwahlrecht und Gleichberechtigung einsetzten, wurden auch im Deutschen Reich immer wieder von der Polizei überwacht, schikaniert, verhaftet. Aber in Deutschland überdeckt der politische Konflikt den gesellschaftlichen. Hier müssen aktive Sozialdemokatinnen ins Gefängnis, vorgeblich weil sie gegen das Vereinsgesetz von 1850 verstoßen haben, aber vor allem weil sie Teil der Sozialdemokratie sind, in den Augen der Obrigkeit damit Teil einer umstürzlicherischen Bewegung.

1918 setzt die SPD in Deutschland das Frauenwahlrecht durch.

Das Frauenwahlrecht ist zumindest in Europa überall durchgesetzt. Gleichberechtigung, also Gleichheit vor dem Gesetz, haben wir inzwischen auch weitgehend erreicht. Aber bis zur Gleichstellung ist es noch ein weiter Weg.

Unterschiedliche Strategien führen mitunter zum selben Ziel. Aber ohne (Frauen)solidarität ist der Kampf aussichtslos.

Hoch lebe die internationale Frauensolidarität.

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